Sonntag, 30.12.

Du liegst in diesen späten Nacht- bzw. frühen Morgenstunden in Morpheus' Armen - und in meinen. Ist es Luxus: Vier fürsorgliche Schwingen, die Dich schützend umfangen? Nein, sie haben sich um Dich herum niedergelassen, um Dein Sehnen nach Frieden, sanktionsfreiem Genießen, Liebe und bedingungslosem Nehmen-Dürfen ein wenig zu befriedigen.

Wundere Dich aber nicht, wenn Du nächtens kurze Male aus dem Schlaf gerissen worden bist: Morpheus und ich streiten noch darum, welche Areale an Dir jeder von uns sanft anrührend in den Schlaf wiegen darf. Dieser typisch südländische Macho! Neulich habe ich ihm gedroht, seine Flügel auf einen Irokesenschnitt zu stutzen. Was meinst, was der Lümmel antwortete? - "Phh! Meine Flügel sind wie Haifischzähne - die wachsen immer wieder nach!" Miststück, griechisches! Lobbyist, göttlicher! Die haben einfach Mittel an der Hand! ... Also werde ich mich arrangieren müssen angesichts eines Diskurses mit einem leibhaftigen Gott - mag er auch von eher niedrigerer Coleur sein.  Aber das fällt leicht bei Deinem zu schützenden Leib, denn als Frau habe ich einen Vorteil: Ich weiß Deine kleinen, von der Götter- und also mehrheitlichen Männerwelt unbeachteten Nischen zu erkennen, zu verwöhnen und zu genießen. Also soll der olle Griechen-Macho seinen Pyhrrus-Sieg feiern - selig sind die taktil Reichen.

Und so umstreicheln meine Schwingen Deine verborgenen Köstlichkeiten, diejenigen Zentimeter in Höhe und Breite, die ein Olymp-Trampel wie Morpheus (dieses angeheiratete Gesocks kennen wir ja) unbeachtet links liegenläßt. Die nur wenige Lippenpausen voneinander entfernten Samtinseln, die in friedfertiger Kosung beiderseitige Wohltat schenken. Deine nicht sicht-,  aber fühlbare und schützenswürdige Verletzbarkeit, die mit sanfter Berührung meiner Flügelspitzen ich hoffe, in heilendes Vertrauen überführen zu dürfen.

Gerade meine Flügelspitzen schenke ich Dir im Besonderen, sie sind Schwestern Deiner eigenen Zerbrechlichkeit. Sie wissen um das empfindliche Zusammenspiel des Wo, das Wie, des Wieviel und Wann einer Berührung. Sie wissen um den hauchdünnen Grat, auf dessen einer Seite der Absturz ins ernüchternde Nichts hämisch grinst und auf der anderen Seite Engel freudig lachen.
Schwestern hat man, verliert sie aus den Augen, oder man gewinnt neue - in anderer Gestalt. Ist es anmaßend oder geschieht es in Verkennung der Realität ob meiner Gefühle für Dich, wenn ich meine, nicht nur eine alte Bekannte mit Dir wiedergetroffen zu haben, sondern eine Verwandte?

Welche Freude sollte ich am Betrachten anderer Menschen haben, wenn Du nicht unter ihnen bist?
Welche Worte sollten mich anrühren, wenn es nicht Worte von Dir oder für Dich sind?
Welche Berührungen könnte ich genießen, so es nicht Deine sind?
Ich bin bei Dir in so vielen Gedanken, in so reichen Bildern, in so tiefem Fühlen jeden Tages.
Und dennoch weitest Du meine Sinne, lehrst mich zu schauen, öffnest mich.
Für Vieles, aber nicht für Viele.

Du hast einen Ozean an Zärtlichkeit in Dir und Du läßt mich auf seinen warmen Wellen wie ein Kind freudig planschen - mich haltend, manchmal kurzzeitig so tief, daß ich nach Luft schnappen muß, aber nie so tief, daß ich Angst vor dem Ertrinken haben müßte. Du schenkst mir Deine Lippen mit einer Innigkeit, einer Behutsamkeit und bisweilen auch mit einer Leidenschaft - und ich nehme sie gleichermaßen an - , die mir Sehnen und Erfüllung, Verlangen und Befriedigung, bittendes Niederknien und egoistisches Fordern in gleitendem Wechsel bescheren.

Oh! Es ist nach halb acht! Den Brief begann ich gegen halb drei Uhr morgens. Und nun? Habe ihn immer wieder prüfend gelesen, zwischendurch geweint, manch passenderes Wort gefunden - wenn auch keines für Dich - vielleicht ist es schlicht Dein Name? Wozu Kunstgriffe suchen für einen Menschen, der keine braucht? Um halb drei war ich noch nicht verliebt - jetzt bin ich es. Und voller Sehnsucht, Deinen Körper so lange, wie Du es aushältst, zu streicheln, zu küssen, zu kosen, ihn an mich zu nehmen und ihn Zärtlichkeiten angedeihen zu lassen, die er vielleicht noch nicht kennt. So wie die Kosung Deiner Brustknospen, die mir eine solche Freude schon im Voraus bereitet! All meine Behutsamkeit ist Dir gewiß.

Ich sehne mich nach Dir!
1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Bewertung 0.00 (0 Stimmen)
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok